Zink beim Pferd: Wirkung, Mangel, richtige Versorgung und Überdosierung
Einleitung
Zink beim Pferd ist ein essenzielles Spurenelement, das eine zentrale Rolle für Immunsystem, Haut, Hufe und Stoffwechsel spielt. Ein Mangel bleibt häufig lange unentdeckt und zeigt sich meist erst durch unspezifische Symptome wie Hautprobleme, schlechte Hufqualität oder Leistungsabfall. In diesem Artikel erfährst du, warum Zink so wichtig ist, wie du einen Mangel erkennst, wie hoch der Bedarf ist, welche Zinkformen am besten verfügbar sind – und was bei einer möglichen Überdosierung zu beachten ist.
Warum ist Zink für Pferde so wichtig?
Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt und damit ein zentrales Spurenelement für zahlreiche Stoffwechselprozesse. Es beeinflusst Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Regeneration des Pferdes maßgeblich.
Wichtige Funktionen von Zink:
- Stärkung der Immunabwehr: Zink unterstützt das Immunsystem, indem es die Produktion und Funktion von Immunzellen fördert. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Infektionen und kann besonders bei älteren oder stark beanspruchten Pferden von Vorteil sein.
- Gesunde Haut und glänzendes Fell: Zink ist entscheidend für die Kollagenproduktion, die für gesunde Haut und glänzendes Fell notwendig ist. Es kann die Wundheilung beschleunigen und Hautprobleme wie Ekzeme und Dermatitis verbessern.
- Optimale Hufgesundheit: Ein ausreichender Zinkgehalt ist wichtig für die Bildung und Erhaltung gesunder Hufe. Zink kann helfen, Hufprobleme wie Hufrehe und Strahlfäule zu verhindern und unterstützt das Wachstum des Hufhorns.
- Unterstützung der Fruchtbarkeit: Zink spielt eine Rolle bei der Fortpflanzung und kann die Fruchtbarkeit sowohl bei Hengsten als auch bei Stuten fördern.
- Allgemeines Wohlbefinden: Zink trägt zur allgemeinen Vitalität und zum Wohlbefinden bei, indem es viele Körperfunktionen unterstützt, darunter den Stoffwechsel und die Energieproduktion.
Symptome eines Zinkmangels beim Pferd
Ein Zinkmangel entwickelt sich oft schleichend und bleibt daher lange unentdeckt.
Typische Anzeichen:
- stumpfes Fell,
- Hautprobleme,
- Ekzeme
- schlechte Hufqualität,
- brüchiges Horn
- verzögerte Wundheilung
- erhöhte Infektanfälligkeit
- Leistungsabfall oder Mattigkeit
⚠️ Wichtig: Diese Symptome sind unspezifisch und können auch andere Ursachen haben.
Die verschiedenen Formen von Zink
Zink ist in unterschiedlichen chemischen Verbindungen erhältlich, die sich in ihrer Bioverfügbarkeit und ihrem Nutzen für das Pferd unterscheiden.
- Zinkoxid: Diese Form ist weit verbreitet, hat jedoch eine vergleichsweise niedrige Bioverfügbarkeit und wird im Verdauungstrakt nur begrenzt aufgenommen. Zinkoxid findet hauptsächlich Anwendung in der Kosmetikindustrie und weniger in der Tierernährung.
- Zinksulfat: Diese Form bietet eine mittlere Bioverfügbarkeit und wird oft in Ergänzungsfuttermitteln verwendet, kann jedoch bei hohen Dosierungen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schleimhautprobleme verursachen.
- Zinkcitrat: Zinkcitrat ist eine organische Zinkverbindung, die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird und eine mittlere Bioverfügbarkeit aufweist.
- Zink Glycinat (Zink Chelat Glycin): Diese Form von Zink ist besonders bioverfügbar. Hierbei ist das Zink-Ion mit der Aminosäure Glycin verbunden, was die Absorption im Verdauungstrakt verbessert. Die Chelat-Struktur schützt das Zink vor der Magensäure und ermöglicht eine effiziente Aufnahme im Darm. Diese Form ist optimal für die Ernährung von Pferden geeignet, da sie besonders gut aufgenommen wird und somit die Vorteile von Zink optimal genutzt werden können.
Zinkbedarf beim Pferd
Der Bedarf hängt von Alter, Leistung und Fütterung ab.
Richtwerte:
- ca. 500–700 mg Zink/Tag für ein 600 kg Pferd
- bei Sportpferden oder Haut-/Hufproblemen auch höherer Bedarf möglich
👉 Entscheidend ist immer die Gesamtration aus Grundfutter + Mineralfutter, nicht nur ein Einzelprod
Die richtige Dosierung von Zink
Im Hinblick auf die Zinkdosierung sind sich Experten weitgehend einig, dass eine Überdosierung bei Zink praktisch nie vorkommt.
In Deutschland empfiehlt die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) für ein 600 kg schweres Pferd, das aktiv arbeitet, eine tägliche Zinkzufuhr von 545 mg.
In den Niederlanden gibt das Productschap Diervoeder sogar Empfehlungen von mehr als 700 mg Zink pro Tag heraus. Diese unterschiedlichen Empfehlungen spiegeln die hohe Bedeutung des Spurenelements wider und unterstreichen, dass ausreichend Zink für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Pferden entscheidend ist.
⚠️ Überdosierung von Zink beim Pferd
Zink ist ein essentielles Spurenelement, jedoch kann auch eine Überversorgung problematisch sein.
Mögliche Folgen einer Überdosierung:
- Störung der Kupferaufnahme (wichtigster Gegenspieler!)
- langfristige Mineralstoff-Unausgeglichenheit
- mögliche Beeinträchtigung des Immunsystems
- bei extrem hohen Mengen: Verdauungsstörungen
👉 Besonders kritisch ist eine dauerhafte Überdosierung, nicht kurzfristige Schwankungen. Wichtig:
Eine Überversorgung mit Zink entsteht beim Pferd selten über das Grundfutter, sondern fast immer durch eine unkontrollierte Supplementierung. Besonders kritisch ist die Kombination mehrerer Mineralfutter oder hochdosierter Einzelprodukte ohne Rationsberechnung. Entscheidend ist weniger die absolute Menge, sondern das Verhältnis zu Kupfer und anderen Spurenelementen.
⚠️ Kritische Obergrenze (Praxis & Literatur)
- dauerhaft > 4–5 mg Zink/kg Körpergewicht/Tag gilt als kritisch in der Literatur
- das entspricht grob > 2.400–3.000 mg/Tag bei 600 kg Pferd
👉 ABER:
Schon deutlich früher kann es problematisch werden, wenn das Verhältnis zu Kupfer kippt.
⚠️ Wichtiger als „Zink allein“ ist das Verhältnis
Zink : Kupfer Verhältnis
- empfohlen: ca. 3–4 : 1
- kritisch: wenn Zink deutlich überwiegt
👉 Schon dauerhafte hohe Zinkgaben (z. B. > 1.500–2.000 mg/Tag zusätzlich) können:
- Kupferaufnahme hemmen
- Enzymaktivität stören
- langfristig Haut-/Hufprobleme paradox verschlechtern
Zink Glycinat im Vergleich
Zink Glycinat, auch als Zink Chelat Glycin bekannt, ist eine organische Zinkverbindung, bei der das Zink-Ion von Glycin umschlossen wird. Diese Chelatstruktur schützt das Zink vor der Magensäure und verbessert die Absorption im Darm. Die Verbindung mit Glycin stellt sicher, dass das Zink effizient vom Körper verwendet werden kann.
Vorteile von Zink Glycinat:
- Hohe Bioverfügbarkeit: Zink Glycinat wird besser aufgenommen und verwendet als viele andere Zinkverbindungen.
- Schutz vor Magensäure: Die Chelatstruktur schützt das Zink vor der Aufspaltung durch Magensäure, was die Absorption verbessert.
- Weniger Wechselwirkungen: Zink Glycinat bindet sich nicht an andere Nahrungsbestandteile und wird effizienter transportiert.
- Hohe Verträglichkeit: Trotz der höheren Herstellungskosten sind Zinkchelate von höchster Qualität und besonders gut verträglich für Pferde.
Fazit:
Zink ist ein unverzichtbares Spurenelement für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Pferden. Die Wahl der richtigen Zinkform kann entscheidend sein, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Zink Glycinat bietet aufgrund seiner hohen Bioverfügbarkeit und Schutzwirkung eine besonders effektive Option für die Ernährung deines Pferdes. Eine ausgewogene Zinkversorgung unterstützt nicht nur die allgemeine Gesundheit deines Pferdes, sondern trägt auch zu seiner Leistungsfähigkeit und seinem Wohlbefinden bei.
Wissenschaftliche Quellen
- GfE (2014): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden
- NRC (2007): Nutrient Requirements of Horses
- Underwood & Suttle (2010): The Mineral Nutrition of Livestock
- van Bömmel-Wegmann et al. (2023): Zinc status in horses and ponies
- Wagner et al. (2011): Mineral absorption in horses
- EFSA (2015): Zinc compounds in animal nutrition
- Zoon et al. (2018): Bioavailability of zinc-glycinate in ponies
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