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Von Experten entwickelt, von Pferden geliebt!

Die Zahngesundheit ist ein wichtiges, aber oft unterschätztes Thema rund um die Pferdegesundheit. Pferdezähne wachsen ein Leben lang – genauer gesagt werden sie nicht länger, sondern jedes Jahr um wenige Millimeter aus dem Kiefer weiter in die Maulhöhle geschoben. Durch diese Veränderungsprozesse im Kiefer können scharfe Kanten und Zahnhaken entstehen.

Aufbau und typische Probleme

Pro Quadrant – oben rechts, oben links, unten links und unten rechts – haben Pferde bis zu elf Zähne pro Reihe, darunter jeweils sechs Backenzähne. An diesen Backenzähnen können sich sowohl scharfe Kanten als auch scharfe Zahnhaken entwickeln. Im Unterkiefer treten diese am häufigsten am letzten Backenzahn (Nummer elf) auf, im Oberkiefer entsprechend am ersten Backenzahn.

Sowohl scharfe Kanten als auch Haken können die Kiefermechanik beeinträchtigen und zu einer Dysbalance des Kiefers führen. Um Rittigkeitsproblemen und Problemen bei der Futteraufnahme entgegenzuwirken, empfiehlt es sich, die Pferdezähne einmal im Jahr kontrollieren zu lassen und scharfe Kanten und Haken bei Bedarf maschinell zu entfernen.

Der Unterkiefer beziehungsweise die Zahnreihe steht von Natur aus etwas schräg – auf beiden Seiten jeweils leicht gekippt, ebenso im Oberkiefer. Diese natürliche Schrägstellung sollte bei der Zahnbehandlung nicht verändert werden. Behandelt werden sollten ausschließlich scharfe Kanten und Unregelmäßigkeiten wie Meißelzähne oder ein Wellengebiss. Ziel jeder Zahnbehandlung ist eine optimale Ausbalancierung des Pferdegebisses.

Wolfszähne und Hengstzähne

Häufig herrscht Unklarheit oder es kommt zur Verwechslung zwischen Wolfszähnen und Hengstzähnen.

Wolfszähne sind ein evolutionäres Überbleibsel und befinden sich direkt vor dem ersten Backenzahn. Sie können sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer vorkommen, sind aber, wenn angelegt, in den meisten Fällen im Oberkiefer vor dem ersten Backenzahn zu finden.

Hengstzähne hingegen liegen deutlich weiter vorne im Maul und können ebenfalls im Ober- und Unterkiefer angelegt sein. Trotz des Namens können auch Stuten Hengstzähne haben – sie sind also nicht ausschließlich Hengsten oder Wallachen vorbehalten.

Die zahnärztliche Untersuchung

Bei der Untersuchung der Maulhöhle wird die Pferdezahnärztin oder der Pferdezahnarzt mit einem Spiegel oder einer Kamera jeden einzelnen Zahn kontrollieren und kann so Veränderungen wie zum Beispiel Karies feststellen. Scharfe Zahnhaken finden sich typischerweise am ersten Backenzahn im Oberkiefer (rabenschnabelartige Form) sowie am letzten Backenzahn im Unterkiefer, dort mit einer charakteristischen steilen Ansteigung.

Um stets einen guten Überblick über die Zahngesundheit des eigenen Pferdes zu behalten, empfiehlt es sich, beim Pferdezahnarzt oder der Pferdezahnärztin nach einem Zahnpass zu fragen. Dieser funktioniert wie ein kleines Serviceheft: Die jährliche Routineuntersuchung und -behandlung wird darin dokumentiert, ebenso alle Untersuchungsergebnisse und beispielsweise die benötigte Sedierungsmenge. So lässt sich im Folgejahr leicht nachvollziehen, was bei der letzten Behandlung festgestellt und durchgeführt wurde.

Vor und nach der Behandlung

Bis zum Eintreffen des Zahnarztes beziehungsweise bis zum Behandlungstermin darf das Pferd ganz normal fressen.

Nach einer erfolgreichen Behandlung sollte das Pferd mindestens zwei Stunden lang nichts fressen. Das ist wichtig, da die Speiseröhrenmuskulatur in dieser Zeit noch etwas träge sein kann. Wird zu früh gefressen, kann es zu einer Schlundverstopfung kommen – in diesem Fall ist ein erneuter Tierarztbesuch nötig, bei dem eine Nasenschlundsonde geschoben werden muss, um die Verstopfung freizuspülen.

Während dieser zwei Stunden kann dem Pferd entweder ein Maulkorb angelegt werden, oder es wird an der Stallgasse angebunden. In der Zwischenzeit kann es geputzt oder, falls vorhanden, auf einen Paddock gestellt werden. Trinken ist die ganze Zeit über erlaubt – nur gefressen werden darf nichts.

Je nach Aufwand und Komplexität der Behandlung wird der Tierarzt oder die Tierärztin in der Regel empfehlen, z. B. einen Tag lang kein Gebiss ins Maul einzulegen beziehungsweise eine Reitpause von einem Tag einzuhalten. Wurden größere Korrekturmaßnahmen vorgenommen oder Zähne wie etwa Wolfszähne gezogen, kann es erforderlich sein, mehrere Tage auf das Gebiss zu verzichten. Hierzu berät der behandelnde Pferdezahnarzt beziehungsweise die Pferdezahnärztin individuell.

Warnsignale, auf die Pferdebesitzer achten sollten

Folgende Anzeichen können darauf hindeuten, dass eine zahnärztliche Behandlung notwendig ist:

  • Wickelkauen (gedrehte Heuwickel in der Box)
  • Rittigkeitsprobleme
  • Starkes Speicheln
  • Probleme beim Kauen
  • Futter fällt aus dem Maul

Treten eines oder mehrere dieser Symptome auf, sollte eine Pferdezahnärztin oder ein Pferdezahnarzt hinzugezogen werden.

Selbsttest: So überprüfen Sie die Zahngesundheit zu Hause

Mit zwei einfachen Tests lässt sich zumindest eine erste Einschätzung treffen, ob das Gebiss des eigenen Pferdes noch ausbalanciert ist.

Verschiebetest: Eine Hand wird auf den Nasenrücken gelegt, mit der anderen Hand wird der Unterkiefer gefasst. Nun wird der Unterkiefer vorsichtig nach links und nach rechts bewegt – das kann mehrmals wiederholt werden. Gelingt dies problemlos, ist eine ausreichende Balance gegeben. Dieser Test ist jedoch nur einer von vielen und bedeutet nicht automatisch, dass im Pferdemaul alles in Ordnung ist, nur weil die seitliche Verschieblichkeit gegeben ist.

Drucktest am Kiefergelenk: Der Zeigefinger wird auf das Kiefergelenk gelegt und mit leichtem Druck belastet – etwa so stark, als würde man eine Delle in eine Orange drücken. Dieser Test kann auf beiden Seiten gleichzeitig oder im Wechsel durchgeführt werden. Zeigt das Pferd dabei keine Reaktion, deutet das zumindest zum jeweiligen Zeitpunkt auf keine Schmerzhaftigkeit im Kiefergelenk hin.

Diese Selbsttests ersetzen keine fachärztliche Untersuchung, geben aber einen ersten Anhaltspunkt und können helfen, frühzeitig zu erkennen, wann eine zahnärztliche Kontrolle sinnvoll ist.