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Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und auf vielen Pferdeweiden wächst das Gras langsamer. Trotzdem sehen die Flächen häufig noch erstaunlich grün aus. Genau das kann täuschen: Eine grüne Herbstweide liefert nicht automatisch ausreichend Futter. Gleichzeitig bedeutet weniger Gras nicht zwangsläufig, dass die Weide für stoffwechselempfindliche Pferde unbedenklich ist.

Damit Pferd und Weide gut durch die Übergangszeit kommen, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Wie viel Futter steht tatsächlich noch zur Verfügung? Ist der Boden noch tragfähig? Gibt es Giftpflanzen oder herabgefallene Samen auf der Fläche? Und wann ist es sinnvoll, die Weidezeit anzupassen?

Wie lange dürfen Pferde im Herbst auf die Weide?

Ein festes Datum für das Ende der Weidesaison gibt es nicht. Entscheidend sind die Bedingungen vor Ort und die Bedürfnisse des einzelnen Pferdes. Dazu gehören:

  • der Zustand der Grasnarbe,
  • die Bodenverhältnisse,
  • das tatsächliche Futterangebot,
  • die Flächengröße und die Anzahl der Pferde,
  • der Gesundheits- und Ernährungszustand der Tiere.

Bei tragfähigem Boden, ausreichendem Futterangebot und passenden Haltungsbedingungen kann die Weide auch im Herbst weiter genutzt werden. Wird der Boden dauerhaft nass, entstehen jedoch schnell Trittschäden und schlammige Bereiche. Werden die Pflanzen sehr kurz abgefressen oder die Grasnarbe stark zertreten, sollte die Fläche entlastet werden.

Ein geeigneter Paddock oder eine befestigte Winterauslauffläche ermöglicht weiterhin Bewegung und Sozialkontakt, während sich die Weide erholen kann.

Grünes Gras bedeutet nicht automatisch ausreichend Futter

Mit sinkenden Temperaturen und kürzeren Tagen lässt das Graswachstum häufig nach. Die Pferde finden zwar noch grüne Halme, nehmen beim Grasen aber möglicherweise deutlich weniger Futter auf als im Sommer.

Auf stark abgefressenen Flächen fressen sie zudem sehr dicht am Boden. Besonders auf sandigen oder lückigen Weiden kann dabei vermehrt Erde oder Sand aufgenommen werden.

Beobachte deshalb nicht nur die Farbe der Fläche, sondern auch die Dichte des Aufwuchses und die Körperkondition deiner Pferde. Unter dem zunehmenden Winterfell sind Gewichtsveränderungen nicht immer sofort zu erkennen.

Reicht das Gras nicht mehr aus, sollte rechtzeitig geeignetes Heu angeboten werden. Die Umstellung von überwiegender Grasfütterung auf eine heubasierte Ration erfolgt möglichst schrittweise. Lange Fresspausen sollten dabei vermieden werden.

Wichtig ist außerdem: Wenig Gras bedeutet nicht automatisch wenig Zucker. Futtermenge und Zusammensetzung müssen getrennt betrachtet werden.

Zucker und Fruktan auf der Herbstweide: Wann ist Vorsicht geboten?

Bei Sonnenschein bilden Gräser durch Photosynthese Zucker. Niedrige Temperaturen können gleichzeitig das Wachstum bremsen. Dadurch können sich lösliche Kohlenhydrate, darunter Zucker und Fruktane, in der Pflanze anreichern.

Besonders die Kombination aus kalten Nächten und sonnigen Tagen verdient deshalb Aufmerksamkeit. Eine pauschale Aussage wie „morgens ist die Weide immer sicher“ ist nicht zuverlässig.

Bei Pferden mit einer gestörten Insulinregulation ist allerdings nicht allein der Fruktangehalt entscheidend. Auch leicht verfügbare Zucker und die insgesamt aufgenommene Grasmenge spielen eine wichtige Rolle. Überhöhte Insulinspiegel können bei entsprechend empfindlichen Pferden Hufrehe auslösen.

Besondere Vorsicht ist bei Pferden mit EMS, einer Hufrehe-Vorgeschichte oder PPID geboten. Bei PPID ist insbesondere eine zusätzlich bestehende Insulindysregulation für die Risikobewertung wichtig. Die Weidenutzung sollte bei diesen Pferden tierärztlich abgestimmt werden. Je nach Befund kann es notwendig sein, den Zugang zu Gras deutlich einzuschränken oder vorübergehend ganz auszusetzen.

Auch ein Fressmaulkorb macht eine ungeeignete Weide nicht automatisch sicher und ersetzt keine individuelle Beurteilung.

Matsch vermeiden und die Grasnarbe schützen

Nasse Böden sind besonders empfindlich gegenüber Trittbelastung. Rund um Tore, Tränken, Futterstellen und Unterstände entstehen häufig zuerst tiefe, schlammige Bereiche.

Wird die Grasnarbe beschädigt, bleiben offene Stellen zurück, in denen sich unerwünschte Pflanzen ansiedeln können. Gleichzeitig leidet die Grundlage für einen guten Aufwuchs im nächsten Frühjahr.

Um die Pferdeweide im Herbst zu schonen, können folgende Maßnahmen helfen:

  • stark beanspruchte Bereiche fachgerecht befestigen,
  • besonders nasse Teilflächen zeitweise sperren,
  • geeignete Flächen im Wechsel nutzen,
  • bei aufgeweichtem Boden auf einen tragfähigen Auslauf ausweichen,
  • die Weide nicht bis auf eine sehr kurze Grasnarbe abfressen lassen,
  • nasse Flächen möglichst nicht mit schweren Maschinen befahren.

Entscheidend ist, die Belastung rechtzeitig zu reduzieren – nicht erst dann, wenn die Grasnarbe bereits weitgehend zerstört ist.

Heu sollte nicht direkt auf schlammigem oder sandigem Boden liegen. Geeignete Futterstellen verringern Verschmutzung und Futterverluste. Bei Gruppenhaltung müssen auch rangniedrige Pferde ausreichend Zugang zum Futter haben.

Sollte die Pferdeweide im Herbst gemäht oder gemulcht werden?

Ob ein Pflegeschnitt sinnvoll ist, hängt vom Pflanzenbestand, der Menge des verbliebenen Aufwuchses und den Bodenverhältnissen ab. Mähen und Mulchen sind deshalb keine Maßnahmen, die im Herbst automatisch auf jeder Fläche durchgeführt werden sollten.

Vorher muss die Weide auf Giftpflanzen kontrolliert werden. Giftiges Pflanzenmaterial darf nicht einfach zerkleinert auf einer für Pferde zugänglichen Fläche liegen bleiben. Schnittgut mit beispielsweise Jakobskreuzkraut muss entfernt und sachgerecht beseitigt werden.

Auch die Bodenfeuchte ist entscheidend: Das Befahren aufgeweichter Flächen kann zusätzliche Schäden verursachen. Ein sehr tiefer Schnitt sollte vermieden werden.

Bei größeren Lücken oder starken Trittschäden kann eine Nachsaat sinnvoll sein. Ob sie im Herbst noch erfolgversprechend ist, hängt unter anderem von Standort, Witterung und der verbleibenden Wachstumszeit ab. Eine landwirtschaftliche Fachberatung kann helfen, Zeitpunkt und Maßnahmen passend auszuwählen.

Checkliste: Ist deine Pferdeweide bereit für den Herbst?

  • Ist der Boden noch tragfähig oder entstehen bereits tiefe Trittschäden?
  • Ist die Grasnarbe ausreichend geschlossen?
  • Steht genug Futter zur Verfügung oder muss Heu ergänzt werden?
  • Passt die Weidenutzung zum Gesundheitszustand jedes Pferdes?
  • Sind Giftpflanzen, Ahornsamen, Eicheln oder größere Mengen Fallobst vorhanden?
  • Sind Tore, Tränken und Futterstellen sicher und gut erreichbar?
  • Haben alle Pferde Zugang zu sauberem Trinkwasser und geeignetem Futter?
  • Sind Zäune intakt und gut sichtbar?
  • Gibt es eine geeignete Ausweichfläche für sehr nasse Tage?
  • Ist das Parasitenmanagement mit der Tierarztpraxis abgestimmt?

Fazit: Die Pferdeweide im Herbst bewusst nutzen

Die Herbstweide kann weiterhin Bewegung, Beschäftigung und Sozialkontakt bieten. Allerdings verändern sich die Bedingungen: Das Gras wächst langsamer, Böden werden empfindlicher und Samen oder Früchte können zusätzliche Risiken mit sich bringen.

Entscheidend ist deshalb nicht das Kalenderdatum, sondern der regelmäßige Blick auf Pferd und Fläche. Wer das Futterangebot überprüft, rechtzeitig Heu ergänzt, empfindliche Böden schont und mögliche Gefahren konsequent ausschließt, schafft gute Voraussetzungen für die Übergangszeit – und schützt zugleich die Weide für das kommende Frühjahr.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Hufrehe, einer Vergiftung oder bei plötzlich auftretender Muskelschwäche, steifem Gang, auffälligem Schwitzen beziehungsweise Koliksymptomen sollte sofort eine Tierarztpraxis kontaktiert werden.