🩺 Erste Hilfe beim Pferd – Teil 2: Herzfrequenz richtig messen
Nach dem Kreislaufcheck im ersten Teil geht es jetzt um den zweiten Vitalparameter: die Herzfrequenz. Sie gibt Aufschluss über den Kreislaufzustand, Stresslevel und mögliche Schmerzen deines Pferdes. Gemeinsam mit Dr. med. vet. Richard Zimmermann zeigen wir dir, wie du den Herzschlag richtig misst – mit oder ohne Stethoskop.
Warum die Herzfrequenz so wichtig ist
Das Herz ist der Motor des Lebens. Ein zu schneller oder zu langsamer Puls kann auf Kreislaufprobleme, Schmerzen, Stress oder Fieber hinweisen. Wer die Herzfrequenz seines Pferdes kennt, kann frühzeitig erkennen, wenn etwas nicht stimmt – und weiß, was hilft, bevor die Situation kritisch wird.
Vorbereitung & Hilfsmittel
Um die Herzfrequenz genau zu bestimmen, brauchst du:
- Ein Stethoskop – es muss keine Tierarzt-Variante sein, ein einfaches Modell aus der Apotheke oder online reicht.
- Eine Uhr mit Sekundenanzeige oder dein Handy-Timer.
Die normale Herzfrequenz eines Pferdes in Ruhe liegt zwischen 28 und 40 Schlägen pro Minute.
Schritt 1: Den Herzschlag finden
- Stelle dich seitlich neben dein Pferd.
- Lege eine Hand beruhigend auf die Schulter deines Pferdes.
- Setze das Stethoskop direkt hinter dem Ellenbogen an – dort, in einer kleinen Vertiefung, ist der Herzschlag am besten zu hören.
- Höre auf das typische „Budup"-Geräusch.
- Bu–Dup entspricht einem Herzschlag.
Falls du den Ton nicht gleich findest, verschiebe das Stethoskop leicht oder bitte deinen Helfer, das Pferd einen halben Schritt vorzutreten – dann liegt das Herz optimal unter der Membran.
Schritt 2: Herzfrequenz ausrechnen
- Zähle die „Budups" – also die Herzschläge – für 15 Sekunden.
- Multipliziere den Wert × 4, um die Schläge pro Minute zu erhalten.
Beispiel:
Bei Carlotta zählte Dr. Zimmermann 7 Herzschläge in 15 Sekunden → 7 × 4 = 28 Schläge pro Minute – perfekt im Normalbereich.
Werte interpretieren
| Herzfrequenz (Schläge / Minute) | Bedeutung |
|---|---|
| 28 – 40 bpm | Normalbereich – Pferd ruhig und entspannt |
| 40 – 60 bpm | Hinweis auf Stress, Schmerzen oder Aufregung |
| > 60 bpm | Akute Belastung, Kolikverdacht, Schock – Tierarzt rufen |
Wenn der Wert wiederholt zu hoch ist, kontrolliere auch Kreislauf, Atmung und Temperatur. Diese Kombination liefert ein vollständiges Bild des Gesundheitszustands.
Alternative: Herzfrequenz ohne Stethoskop messen
Falls du kein Stethoskop zur Hand hast, kannst du mit etwas Übung den Puls an der Ganasche fühlen:
- Lege zwei bis drei Finger an die Innenseite der Ganasche – dort, wo das Halfter entlangläuft.
- Übe leichten Druck aus, bis du eine Pulswelle spürst.
- Zähle die Schläge 15 Sekunden lang und multipliziere × 4.
So kannst du auch ohne Hilfsmittel einen schnellen Überblick gewinnen.
🎥 Video-Tipp
Im Video zeigt Dr. Richard Zimmermann am Beispiel von Carlotta Karamba, wie du mit Stethoskop oder per Hand die Herzfrequenz deines Pferdes prüfst.
👉 YouTube: Erste Hilfe beim Pferd – Herzfrequenz richtig messen | Tierarzt erklärt
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Du lernst:
- Herzschlag lokalisieren
- Schläge korrekt zählen
- Normalwerte erkennen
- Wann tierärztliche Hilfe nötig ist
Fazit: Wissen schafft Sicherheit
Mit dem Wissen um die Herzfrequenz kannst du besser einschätzen, wann dein Pferd Ruhe, Bewegung oder Hilfe braucht. Im Zusammenspiel mit Kreislauf, Atmung und Temperatur ergibt sich ein vollständiges Vitalbild – und du weißt, wie du im Notfall richtig behandelst.
Im nächsten Teil erfährst du, wie du die Atemfrequenz deines Pferdes misst und interpretierst – Schritt für Schritt erklärt von Dr. Zimmermann hier: