Melasse für Pferde - wirklich so schlecht?
Melasse ist ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr. Sie wird in der Pferdefütterung häufig als Energiequelle, Geschmacksträger oder Bindemittel eingesetzt. Durch ihren süßen Geschmack verbessert sie die Akzeptanz vieler Futtermittel.
Doch trotz ihres praktischen Nutzens stellt sich eine entscheidende Frage: Ist Melasse für Pferde wirklich unproblematisch – oder birgt sie gesundheitliche Risiken?
Das Pferd lebt von Zucker
Zucker aus Pflanzen
Dies ist die wichtigste Energiequelle für Pferde!
Melasse von Zuckerrüben ist für Pferde unverträglicher. Melasse aus Zuckerrohr dagegen wird besser vertragen, denn das Zuckerrohr zählt zu den Süßgräsern und ist damit natürlicher und besser bekömmlich fürs Pferd.
Über unsere gehaltvollen, süßen Wiesen haben wir allerdings häufig bereits genug Zucker in der Futterration unserer Pferde. Bringen wir nun noch zusätzlich größere Mengen Melasse, Stärke oder Fruktan ins Pferd, kann es das Darmmilieu empfindlich stören und Folgeerkrankungen begünstigen. Wer also auf den Zuckergehalt achten muss, sollte sich überlegen, ob er überhaupt zu Zusatzfutter greift.
Was ist Melasse genau?
- ca. 40–60 % Zucker
- geringe Mengen Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Phosphor)
- kleine Anteile sekundärer Pflanzenstoffe
Melasse enthält neben ihrem hohen Zuckergehalt vor allem viel Kalium. Aus ernährungsphysiologischer Sicht wird Melasse daher primär als Zucker- und Kaliumquelle betrachtet. Besonders bei EMS-, PSSM-, PPID- oder Rehepferden ist der Zuckergehalt allerdings deutlich relevanter als der Mineralstoffgehalt.
In der Pferdefütterung wird sie eingesetzt für:
- bessere Schmackhaftigkeit von Müsli
- Staubbindung in Pellets oder Heucobs
- schnelle Energiezufuhr
Kritische Betrachtung: Die Menge entscheidet
Die Bewertung von Melasse hängt stark von der aufgenommenen Gesamtmenge ab.
Entscheidend ist nicht der einzelne Bestandteil, sondern die gesamte Zufuhr an Zucker und Stärke (NSC = Non-Structural Carbohydrates).
Wissenschaftliche Einordnung
Ernährungsphysiologische Grundlagen zeigen, dass eine dauerhaft hohe Aufnahme schnell verfügbarer Kohlenhydrate beim Pferd den Stoffwechsel belasten kann. Besonders betroffen sind:
- Insulinregulation
- Darmmikrobiom
- Energiehaushalt
Studien und Fachliteratur (u. a. NRC 2007 sowie Arbeiten zu Insulinresistenz beim Pferd) weisen darauf hin, dass eine hohe NSC-Zufuhr mit Stoffwechselstörungen wie EMS oder Hufrehe in Verbindung stehen kann.
Mögliche Risiken von zu viel Melasse
Bei übermäßiger Fütterung oder in Kombination mit weiteren Zuckerquellen können folgende Probleme auftreten:
- erhöhte Insulinausschüttung
- Gewichtszunahme
- gestörte Darmflora
- erhöhtes Risiko für Hufrehe
- Stoffwechselbelastung (EMS-Risiko)
Ist Melasse immer problematisch?
Nein. Kleine Mengen Melasse als Bindemittel in Futtermitteln sind in der Regel unkritisch. Einordnung: geringe Mengen:
- meist unproblematisch
- mittlere Mengen (Müsli): abhängig von Gesamtfutterration
- hohe Mengen + wenig Bewegung: kritisch
Zuckerrohr vs. Zuckerrübenmelasse
Zuckerrübenmelasse ist in Europa am häufigsten verbreitet. Zuckerrohrmelasse wird gelegentlich als „natürlicher“ wahrgenommen, da Zuckerrohr botanisch zu den Süßgräsern gehört. Für die Pferdefütterung bleibt jedoch entscheidend: Beide Varianten liefern hauptsächlich Zucker – und genau dieser ist der limitierende Faktor.
Zucker im Futter – welche Werte sind entscheidend?
Zucker im Futter – welche Werte sind entscheidend?
Für empfindliche Pferde gilt als Orientierung:
- NSC <10 %: geeignet für Rehepferde & EMS-Pferde
- NSC 10–15 %: nur bei gesunden Pferden mit Bewegung
- NSC >15 %: kritisch bei Stoffwechselproblemen
Melasse kann diesen Wert schnell erhöhen, da sie zu einem hohen Anteil aus schnell verfügbarem Zucker besteht.
Melasse in der Pferdefütterung – für welche Pferde geeignet?
Die Bewertung von Melasse hängt stark vom Pferdetyp, Stoffwechsel und der täglichen Arbeitsbelastung ab. Entscheidend ist immer die Gesamtmenge an Zucker und Stärke (NSC = Non-Structural Carbohydrates) in der gesamten Ration.
Sportpferde im Training
Sportpferde mit regelmäßig hoher Belastung haben einen erhöhten Energiebedarf. In moderaten Mengen kann Melasse hier als schnell verfügbare Energiequelle und Geschmacksträger eingesetzt werden.
✔ meist gut verträglich
✔ kann die Futterakzeptanz erhöhen
✔ sinnvoll nur im Rahmen einer kontrollierten Gesamtration
Freizeitpferde
Freizeitpferde bewegen sich meist moderat bis wenig intensiv. Hier ist die Energiebilanz oft bereits ausreichend oder sogar im Überschuss. ✔ kleine Mengen meist unproblematisch
⚠️ Überversorgung vermeiden
⚠️ auf Gesamtzucker im Futter achten
Stoffwechselempfindliche Pferde (EMS, PSSM, Rehe)
Bei Pferden mit EMS, PSSM oder Hufrehe-Neigung ist besondere Vorsicht geboten.
❌ Melasse in größeren Mengen nicht geeignet
❌ Risiko für Insulinspitzen und Stoffwechselentgleisungen
❌ kann Reheschübe und Muskelprobleme begünstigen
👉 Ziel: konsequent niedriger NSC-Gehalt (< 10 %) und zuckerarme Ration