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Was sind Gelenkprobleme beim Pferd?

Gelenkprobleme beim Pferd umfassen verschiedene Erkrankungen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, bei denen Knochen, Knorpel, Sehnen oder Bänder betroffen sind. Häufig entwickeln sich diese Probleme schleichend über Monate oder Jahre und bleiben im frühen Stadium oft unbemerkt. 

Typische Formen sind Arthrose, Sehnenerkrankungen, Entzündungen im Gelenk oder degenerative Veränderungen des Knorpels. Besonders betroffen sind Pferde im Sport, ältere Tiere oder Pferde mit hoher Belastung.

In diesem Beitrag erfährst du, wie der Bewegungsapparat des Pferdes funktioniert, welche Ursachen hinter Gelenkproblemen stecken und welche Nährstoffe Gelenke, Knorpel und Sehnen unterstützen können.

Frühe Symptome: So erkennst du Gelenkprobleme rechtzeitig

Gelenkprobleme zeigen sich häufig zuerst sehr subtil: 

  • Steifheit nach Ruhephasen 
  • verkürzte oder ungleichmäßige Schritte 
  • Taktunreinheiten im Gangbild 
  • längere Aufwärmphase nötig 
  • Leistungsabfall oder Bewegungsunlust 
  • empfindliche Reaktion auf Wendungen oder Kreislinien 

👉 Wichtig: Je früher diese Anzeichen erkannt werden, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden.

Häufige Ursachen für Gelenkprobleme beim Pferd

Die Entstehung von Gelenkerkrankungen ist meist multifaktoriell: 

  • Über- oder Fehlbelastung im Training 
  • zu wenig oder einseitige Bewegung 
  • Übergewicht und hohe Gelenkbelastung 
  • unpassende Hufbearbeitung oder Fehlstellungen 
  • altersbedingter Knorpelabbau 
  • unzureichende Nährstoffversorgung 

Diese Faktoren wirken oft zusammen und beschleunigen degenerative Prozesse im Gelenk.

Wie funktionieren Pferdegelenke?

Ein gesundes Gelenk besteht aus einem fein abgestimmten System: 
  • Knorpel schützt die Gelenkflächen und reduziert Reibung 
  • Gelenkflüssigkeit sorgt für Schmierung und Stoßdämpfung 
  • Bänder stabilisieren das Gelenk Sehnen übertragen Muskelkraft auf den Knochen 

⚠️ Warum Gelenke langsam regenerieren

👉 Da diese Strukturen nur schwach durchblutet sind, ist ihre Regeneration deutlich langsamer als bei anderen Geweben.

Warum Gelenke beim Pferd langsam regenerieren

Knorpel, Sehnen und Bänder besitzen nur eine geringe Durchblutung. Dadurch werden Nährstoffe langsamer transportiert und Heilungsprozesse benötigen deutlich mehr Zeit. 

👉 Deshalb ist frühe Unterstützung entscheidend, bevor strukturelle Schäden entstehen.

Arthrose beim Pferd: die häufigste Gelenkerkrankung

Arthrose ist eine chronisch-degenerative Erkrankung des Gelenks, bei der der Knorpel zunehmend abgebaut wird. Dies führt zu: 

  • Schmerzen bei Bewegung 
  • Steifheit 
  • Entzündungsreaktionen im Gelenk 
  • eingeschränkter Beweglichkeit 

Arthrose ist nicht heilbar, kann aber durch gezieltes Management deutlich verlangsamt werden.

OCD

Knorpel- oder Knochenfragmente lösen sich im Gelenk

Sehnenschäden

Überlastung oder Verletzungen mit langer Heilungszeit

Hufrollenentzündung

Schmerzhafte Veränderung im Huf- und Fesselbereich

Ursachen im Überblick

👉 zu wenig Bewegung
👉 Übergewicht
👉 falsches Training
👉 unausgewogene Fütterung
👉 Hufprobleme

Gelenke gezielt unterstützen

Bewegung

Regelmäßige, angepasste Bewegung hält Gelenke funktionsfähig und unterstützt die Versorgung des Knorpels.

Fütterung

Die richtige Ernährung ist entscheidend für gesunde Gelenke.

Wichtige Nährstoffe für gesunde Gelenke

Bestimmte Nährstoffe spielen eine zentrale Rolle für Knorpel, Sehnen und Bänder:

GAG (Glykosaminoglykane)
Unterstützen die Elastizität des Knorpels und verbessern die Stoßdämpfung. Besonders reich enthalten z. B. in Grünlippmuschel.

Kollagen
Das wichtigste Strukturprotein im Körper und essenziell für Stabilität und Belastbarkeit.

Glucosamin & Chondroitin
Zentrale Bausteine für Knorpel und Gelenkflüssigkeit.

MSM (organischer Schwefel)
Unterstützt das Bindegewebe und kann die Regeneration fördern.

Hyaluronsäure
Wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und unterstützt die Beweglichkeit.

Nukleotide
Fördern die Zellneubildung und unterstützen die Regeneration von Gewebe.

Unterstützung im Alltag

Gerade bei empfindlichen Pferden oder bestehenden Problemen kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein.

Für die tägliche Versorgung bieten sich ausgewogene Produkte (Mineralfutter, Magnesium) an, die wichtige Nährstoffe für Stoffwechsel und Bewegungsapparat liefern.Diese können helfen, den Stoffwechsel zu unterstützen und die Grundlage für stabile Gelenke zu schaffen.

Prävention

  • 👉 Regelmäßige Bewegung
  • 👉 Gutes Aufwärmen
  • 👉 Gewicht kontrollieren
  • 👉 Ausgewogene Fütterung
  • 👉 Korrekte Hufbearbeitung

Studienlage: Moderne Therapieansätze bei Gelenkproblemen beim Pferd

Neben klassischen Maßnahmen wie Fütterung, Bewegung und Management rücken zunehmend auch moderne Therapieformen in den Fokus der Forschung.

Polyacrylamid-Hydrogel (PAAG)

Polyacrylamid-Hydrogel (PAAG), bekannt aus Produkten wie Arthramid® Vet, wird in der Tiermedizin zur Behandlung von Gelenkerkrankungen eingesetzt.

Aktuelle Studienergebnisse im Überblick

  • Hohe Erfolgsraten: Studien zeigen eine Verbesserung der Lahmheit bei etwa 75–82 % der behandelten Pferde innerhalb von 1–3 Monaten.
  • Wirkmechanismus: PAAG wird direkt in das Gelenk injiziert und integriert sich in die Gelenkkapsel. Es verbessert die Viskosität der Gelenkflüssigkeit, stabilisiert das Gewebe und kann entzündliche Prozesse reduzieren.
  • Langzeitwirkung: Erste Untersuchungen zeigen eine anhaltende Wirkung über bis zu zwei Jahre. In vielen Fällen reicht eine einmalige Behandlung, deren Effekt sich über mehrere Wochen aufbaut.
  • Einsatzgebiete: Besonders häufig wird PAAG bei chronischer Arthrose und wiederkehrender Lahmheit eingesetzt, z. B. im Huf- oder Sprunggelenk.
  • Wirksam trotz Vorbehandlung: In kleineren Studien konnte auch bei Pferden eine Verbesserung erzielt werden, bei denen klassische Therapien wie Hyaluronsäure oder Kortikosteroide zuvor nicht ausreichend gewirkt haben.

👉 Wichtig: Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch Tierärzte.

Stammzelltherapie (Forschung)

Ein weiterer spannender Ansatz ist die Arbeit mit Stammzellen.

  • Ziel ist es, geschädigten Knorpel zu regenerieren
  • Stammzellen können sich in Knorpelzellen entwickeln
  • Erste Studien zeigen Potenzial, befinden sich aber noch in der Weiterentwicklung

👉 Aktuell ist diese Methode noch nicht flächendeckend etabliert, wird aber intensiv erforscht.

Einordnung für Pferdebesitzer

Moderne Therapien wie PAAG zeigen, dass sich die Behandlung von Gelenkerkrankungen weiterentwickelt.

Trotzdem gilt:

  • Sie ersetzen kein grundlegendes Management
  • Bewegung, Gewichtskontrolle und Fütterung bleiben entscheidend
  • Ergänzende Maßnahmen können den Erfolg unterstützen

Wichtige Studien im Überblick

Tnibar et al. (2015, 2016)
Untersuchungen zur Anwendung von PAAG bei Pferden mit Gelenkproblemen zeigten eine deutliche Verbesserung der Lahmheit und Beweglichkeit.
👉 Ein Großteil der behandelten Pferde profitierte bereits innerhalb weniger Wochen.

Jørgensen et al. (2017)
Studie zur intraartikulären Anwendung von PAAG bei Pferden mit Osteoarthritis.
👉 Ergebnisse zeigten eine signifikante und anhaltende Verbesserung der Gelenkfunktion über mehrere Monate.

McIlwraith et al. – Gelenktherapie & Hydrogel 

Mehrere klinische Studien und Übersichtsarbeiten von McIlwraith et al. untersuchen moderne intraartikuläre Therapien bei Pferden mit degenerativen Gelenkerkrankungen. Die Ergebnisse zeigen, dass neuartige Verfahren wie Hydrogel-basierte Gelenktherapien das Gelenkmilieu positiv beeinflussen und zur Verbesserung der Gelenkfunktion beitragen können. Besonders bei chronischer Arthrose wurden in Beobachtungsstudien Verbesserungen von Beweglichkeit, Lahmheit und Belastbarkeit dokumentiert.

Quelle: McIlwraith, C. W. et al. – Clinical studies and reviews on intra-articular therapies in horses with osteoarthritis.

Wann du Gelenkprobleme tierärztlich abklären solltest

Folgende Anzeichen sollten ernst genommen werden: 

  • wiederkehrende Lahmheit 
  • deutliche Steifheit 
  • Probleme beim Aufwärmen 
  • Taktunreinheiten 
  • Bewegungsunlust 
  • Leistungseinbruch 

👉 Je früher Gelenkprobleme erkannt werden, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden.

Was hilft bei Gelenkproblemen und Arthrose beim Pferd?

Gelenkprobleme beim Pferd lassen sich meist nicht vollständig heilen, aber durch gezieltes Management häufig deutlich positiv beeinflussen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Bewegung, Haltung, Fütterung und tierärztlicher Betreuung. 

Regelmäßige Bewegung 

Angepasste Bewegung unterstützt die Versorgung des Knorpels und hilft dabei, die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten. Lange Stehzeiten sollten möglichst vermieden werden. 

👉 Besonders wichtig: tägliche Bewegung lange Aufwärmphasen gleichmäßige Belastung gelenkschonende Böden

Gewicht & Belastung kontrollieren 

Übergewicht erhöht die Belastung auf Gelenke, Sehnen und Bänder deutlich und kann Arthrose beim Pferd langfristig verschlechtern. Ein gesundes Körpergewicht hilft dabei, den Bewegungsapparat zu entlasten und die Gelenke beweglich zu halten.

Fütterung gezielt anpassen 

Eine ausgewogene Fütterung spielt bei Gelenkproblemen und Arthrose beim Pferd eine wichtige Rolle. Bestimmte Nährstoffe unterstützen Knorpel, Sehnen und den Gelenkstoffwechsel. 

Häufig eingesetzte Nährstoffe: 

  • Glucosamin 
  • Chondroitin 
  • MSM 
  • Kollagen *
  • Hyaluronsäure 
  • Grünlippmuschel 

Innovative Ansätze & aktuelle Studien zu Gelenken beim Pferd 

Die Forschung zu Arthrose und Gelenkproblemen beim Pferd entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neben klassischen Gelenknährstoffen rücken zunehmend moderne Therapie- und Ergänzungsansätze in den Fokus.

Bioaktive Kollagenpeptide 

Spezielle bioaktive Kollagenpeptide werden in der Pferdefütterung eingesetzt, um Knorpel, Sehnen und Gelenkstrukturen gezielt zu unterstützen. Eine klinische Studie aus dem Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition untersuchte den Einsatz von spezifischen bioaktiven Kollagenpeptiden (PETAGILE®) bei Pferden mit leichter bis mittelschwerer Arthrose bei.: Lahmheit Beweglichkeit Flexionstests Schrittlänge bereits nach mehreren Wochen Supplementierung. 

👉 Kollagen gilt als wichtiges Strukturprotein für Knorpel, Bänder und Sehnen. 

Quelle: Dobenecker et al. (2018) – Specific bioactive collagen peptides (PETAGILE®) as supplement for horses with osteoarthritis Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, 102 (Suppl. 1), 16–23. DOI: https://doi.org/10.1111/jpn.12863

👉 Ergänzungsfuttermittel ersetzen keine tierärztliche Behandlung, können den Bewegungsapparat jedoch unterstützend begleiten.

Haltung optimieren 

Offenstallhaltung oder regelmäßiger Weidegang fördern die natürliche Bewegung und können helfen, Steifheit bei Pferden mit Gelenkproblemen zu reduzieren. 

Viele Pferde mit Arthrose reagieren empfindlich auf: 

  • lange Boxenruhe
  • Kälte 
  • Nässe 
  • harte Böden 

Eine möglichst bewegungsfreundliche Haltung unterstützt die Gelenkfunktion langfristig.

Hufe & Training überprüfen 

Fehlstellungen, ungeeignete Böden oder falsches Training können Gelenke dauerhaft belasten. 

Eine regelmäßige Zusammenarbeit mit: 

  • Tierarzt 
  • Hufschmied 
  • Physiotherapie 
  • Trainer 

kann helfen, Fehlbelastungen frühzeitig zu erkennen.

Fazit

Gesunde Gelenke sind die Grundlage für Beweglichkeit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität beim Pferd. Viele Probleme entwickeln sich schleichend und bleiben lange unbemerkt. 

Umso wichtiger sind frühzeitiges Management, angepasste Bewegung und eine bedarfsgerechte Versorgung mit wichtigen Nährstoffen für Gelenke, Knorpel, Sehnen und Bänder. 

👉 Entscheidend ist dabei immer das Zusammenspiel aus Haltung, Training, Fütterung und tierärztlicher Betreuung.

FAQ

Was hilft bei Arthrose beim Pferd?

Eine Kombination aus angepasster Bewegung, Gewichtsmanagement und gezielter Nährstoffversorgung kann die Symptome deutlich verbessern.

Wie erkenne ich Gelenkprobleme frühzeitig?

Typische Anzeichen sind Steifheit, Taktunreinheiten oder ein veränderter Bewegungsablauf.

Sind Zusatzfuttermittel sinnvoll?

Ja, wenn sie gezielt eingesetzt werden und den Bedarf des Pferdes sinnvoll ergänzen.

Sind Hydrogel-Therapien beim Pferd wirksam? 

Studien zeigen, dass Hydrogel-basierte intraartikuläre Therapien die Gelenkfunktion bei Pferden mit Arthrose verbessern können. 

Was sagt die Forschung zu modernen Gelenktherapien? 

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass intraartikuläre Therapien das Gelenkmilieu positiv beeinflussen und Lahmheit reduzieren können.