Gelenke beim Pferd: Bewegungsapparat verstehen und gezielt unterstützen
Pferde sind Lauftiere und auf einen gesunden Bewegungsapparat angewiesen. Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder arbeiten eng zusammen und ermöglichen Bewegung, Stabilität und Belastbarkeit.
Kommt es hier zu Problemen, zeigt sich das oft durch Steifheit, Lahmheit oder Leistungsabfall. Typische Erkrankungen wie Arthrose, Sehnenschäden oder OCD sind weit verbreitet – lassen sich aber mit dem richtigen Management häufig positiv beeinflussen.
Aufbau des Bewegungsapparates
Knochen
Knochen bilden das stabile Grundgerüst des Körpers. Sie tragen das Gewicht und speichern wichtige Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium.
Sehnen
Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen die Kraft. Gleichzeitig wirken sie wie eine Feder bei Belastung.
Bänder
Bänder stabilisieren die Gelenke und sorgen für kontrollierte Bewegungsabläufe.
Knorpel
Knorpel schützt die Gelenkflächen und ermöglicht eine reibungslose Bewegung.
Warum Gelenke langsam regenerieren
Sehnen, Bänder und Knorpel werden nur schlecht durchblutet.
Dadurch erfolgt die Nährstoffversorgung langsamer – und die Regeneration benötigt mehr Zeit.
Eine frühzeitige Unterstützung ist daher besonders wichtig.
Häufige Probleme beim Pferd
Arthrose
Eine der häufigsten Erkrankungen. Dabei wird der Knorpel im Gelenk abgebaut, was zu Steifheit und Bewegungseinschränkungen führt.
OCD
Vor allem bei jungen Pferden. Kleine Knorpel- oder Knochenstücke können sich im Gelenk lösen.
Sehnenschäden
Entstehen durch Überlastung oder Verletzungen und benötigen oft lange zur Heilung.
Hufrollenentzündung
Eine schmerzhafte Veränderung im Hufbereich, häufig durch Fehl- oder Überbelastung.
Ursachen im Überblick
- 👉 Zu wenig Bewegung
- 👉 Übergewicht
- 👉 Falsches Training
- 👉 Unausgewogene Fütterung
- 👉 Hufprobleme
Gelenke gezielt unterstützen
Bewegung
Regelmäßige, angepasste Bewegung hält Gelenke funktionsfähig und unterstützt die Versorgung des Knorpels.
Fütterung
Die richtige Ernährung ist entscheidend für gesunde Gelenke.
Wichtige Nährstoffe für gesunde Gelenke
Bestimmte Nährstoffe spielen eine zentrale Rolle für Knorpel, Sehnen und Bänder:
GAG (Glykosaminoglykane)
Unterstützen die Elastizität des Knorpels und verbessern die Stoßdämpfung. Besonders reich enthalten z. B. in Grünlippmuschel.
Kollagen
Das wichtigste Strukturprotein im Körper und essenziell für Stabilität und Belastbarkeit.
Glucosamin & Chondroitin
Zentrale Bausteine für Knorpel und Gelenkflüssigkeit.
MSM (organischer Schwefel)
Unterstützt das Bindegewebe und kann die Regeneration fördern.
Hyaluronsäure
Wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und unterstützt die Beweglichkeit.
Nukleotide
Fördern die Zellneubildung und unterstützen die Regeneration von Gewebe.
Unterstützung im Alltag
Gerade bei empfindlichen Pferden oder bestehenden Problemen kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein.
Für die tägliche Versorgung bieten sich ausgewogene Produkte an, die wichtige Nährstoffe für Stoffwechsel und Bewegungsapparat liefern:
Diese können helfen, den Stoffwechsel zu unterstützen und die Grundlage für stabile Gelenke zu schaffen.
Tipp für die Medikamentengabe
Bei längeren Behandlungen ist die tägliche Tablettengabe oft schwierig.
winnies® Trojaner (Werbung)
Erleichtert die stressfreie Eingabe von Tabletten und unterstützt so den Alltag im Stall.
Prävention
- 👉 Regelmäßige Bewegung
- 👉 Gutes Aufwärmen
- 👉 Gewicht kontrollieren
- 👉 Ausgewogene Fütterung
- 👉 Korrekte Hufbearbeitung
Studienlage: Moderne Therapieansätze bei Gelenkproblemen beim Pferd
Neben klassischen Maßnahmen wie Fütterung, Bewegung und Management rücken zunehmend auch moderne Therapieformen in den Fokus der Forschung.
Polyacrylamid-Hydrogel (PAAG)
Polyacrylamid-Hydrogel (PAAG), bekannt aus Produkten wie Arthramid® Vet, wird in der Tiermedizin zur Behandlung von Gelenkerkrankungen eingesetzt.
Aktuelle Studienergebnisse im Überblick
- Hohe Erfolgsraten: Studien zeigen eine Verbesserung der Lahmheit bei etwa 75–82 % der behandelten Pferde innerhalb von 1–3 Monaten.
- Wirkmechanismus: PAAG wird direkt in das Gelenk injiziert und integriert sich in die Gelenkkapsel. Es verbessert die Viskosität der Gelenkflüssigkeit, stabilisiert das Gewebe und kann entzündliche Prozesse reduzieren.
- Langzeitwirkung: Erste Untersuchungen zeigen eine anhaltende Wirkung über bis zu zwei Jahre. In vielen Fällen reicht eine einmalige Behandlung, deren Effekt sich über mehrere Wochen aufbaut.
- Einsatzgebiete: Besonders häufig wird PAAG bei chronischer Arthrose und wiederkehrender Lahmheit eingesetzt, z. B. im Huf- oder Sprunggelenk.
- Wirksam trotz Vorbehandlung: In kleineren Studien konnte auch bei Pferden eine Verbesserung erzielt werden, bei denen klassische Therapien wie Hyaluronsäure oder Kortikosteroide zuvor nicht ausreichend gewirkt haben.
👉 Wichtig: Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch Tierärzte.
Stammzelltherapie (Forschung)
Ein weiterer spannender Ansatz ist die Arbeit mit Stammzellen.
- Ziel ist es, geschädigten Knorpel zu regenerieren
- Stammzellen können sich in Knorpelzellen entwickeln
- Erste Studien zeigen Potenzial, befinden sich aber noch in der Weiterentwicklung
👉 Aktuell ist diese Methode noch nicht flächendeckend etabliert, wird aber intensiv erforscht.
Einordnung für Pferdebesitzer
Moderne Therapien wie PAAG zeigen, dass sich die Behandlung von Gelenkerkrankungen weiterentwickelt.
Trotzdem gilt:
- Sie ersetzen kein grundlegendes Management
- Bewegung, Gewichtskontrolle und Fütterung bleiben entscheidend
- Ergänzende Maßnahmen können den Erfolg unterstützen
Wichtige Studien im Überblick
Tnibar et al. (2015, 2016)
Untersuchungen zur Anwendung von PAAG bei Pferden mit Gelenkproblemen zeigten eine deutliche Verbesserung der Lahmheit und Beweglichkeit.
👉 Ein Großteil der behandelten Pferde profitierte bereits innerhalb weniger Wochen.
Jørgensen et al. (2017)
Studie zur intraartikulären Anwendung von PAAG bei Pferden mit Osteoarthritis.
👉 Ergebnisse zeigten eine signifikante und anhaltende Verbesserung der Gelenkfunktion über mehrere Monate.
McIlwraith et al. (klinische Beobachtungen, Übersichtsarbeiten)
Langzeitbeobachtungen bestätigen, dass moderne intraartikuläre Therapien, einschließlich Hydrogele, das Gelenkmilieu positiv beeinflussen können.
Fazit
Ein gesunder Bewegungsapparat ist die Basis für ein aktives und leistungsfähiges Pferdeleben.
Viele Probleme entstehen schleichend, lassen sich jedoch durch gezielte Maßnahmen deutlich beeinflussen. Bewegung, Fütterung und frühzeitige Unterstützung spielen dabei eine zentrale Rolle.
FAQ
Was hilft bei Arthrose beim Pferd?
Eine Kombination aus angepasster Bewegung, Gewichtsmanagement und gezielter Nährstoffversorgung kann die Symptome deutlich verbessern.
Wie erkenne ich Gelenkprobleme frühzeitig?
Typische Anzeichen sind Steifheit, Taktunreinheiten oder ein veränderter Bewegungsablauf.
Sind Zusatzfuttermittel sinnvoll?
Ja, wenn sie gezielt eingesetzt werden und den Bedarf des Pferdes sinnvoll ergänzen.