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Warum Proteine für Pferde unverzichtbar sind

Eiweiße – oder Proteine – sind lebenswichtige Bausteine im Pferdekörper. Sie bestehen aus Aminosäuren, die an nahezu allen Stoffwechselprozessen beteiligt sind. Sie bilden die Grundlage für Muskulatur, Bindegewebe, Haut, Hufe, Enzyme und Hormone.

Ein Mangel an hochwertigem, verwertbarem Eiweiß kann zu Muskelschwund, stumpfem Fell, Wachstumsstörungen und Leistungseinbußen führen. Besonders Fohlen, tragende und laktierende Stuten sowie Sportpferde haben einen erhöhten Proteinbedarf.

Die richtige Eiweißversorgung beim Pferd ist entscheidend für Muskelaufbau, Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit.

Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß

Eiweißbedarf Pferd im Training

Der Eiweißbedarf steigt beim Pferd mit zunehmender Belastung, insbesondere bei Muskelaufbau und intensiver Arbeit.

Entscheidend ist darüber hinaus nicht nur die reine Menge, sondern die Qualität des Eiweißes – also seine Aminosäurenzusammensetzung und Verwertbarkeit.

Von den rund 20 bekannten Aminosäuren sind neun essentiell, das heißt, sie müssen über das Futter aufgenommen werden. Besonders wichtig sind:

  • Lysin
  • Methionin
  • Threonin
  • Tryptophan

Fehlen diese sogenannten limitierenden Aminosäuren, kann der Körper trotz ausreichender Eiweißmenge keine vollständigen Muskelproteine aufbauen.

Die wichtigsten Aminosäuren für Pferde

Aminosäure Funktion im Pferdekörper
Lysin Muskelaufbau, Kollagenbildung, Kalziumaufnahme
Methionin Schwefelquelle, wichtig für Fell, Huf und Muskelstoffwechsel
Threonin Aufbau von Bindegewebe, Haut, Fell und Darmschleimhaut
Tryptophan Vorstufe von Serotonin, wirkt beruhigend auf das Nervensystem
Leucin, Isoleucin, Valin (BCAA) Energiequelle, Regeneration, Muskelschutz
Glutamin Regeneration der Muskulatur, unterstützt Immunsystem

Eine ausgewogene Kombination dieser Aminosäuren bildet das sogenannte Aminosäuremuster. Je näher ein Futtermittel diesem Muster entspricht, desto besser kann das Pferd die Proteine verwerten.

Studie (Uni Halle)

Eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (2022) zeigt, dass die Bedampfung von Heu die Verdaulichkeit von Proteinen und insbesondere essentiellen Aminosäuren deutlich reduzieren kann.

Heu wird zur Reduktion von Staub und Mikroorganismen mit heißem Wasserdampf (bis 100 °C) behandelt. Dabei läuft jedoch eine Maillard-Reaktion ab: Zucker und Aminosäuren verbinden sich zu unlöslichen Verbindungen, wodurch Proteine für den Dünndarm schwerer verdaulich werden.

Zentrale Ergebnisse der Studie:

  • Der Gehalt an Rohprotein bleibt konstant, aber die vor-caecale Verdaulichkeit sinkt um bis zu 50 %.
  • Essentielle Aminosäuren wie Lysin, Methionin und Threonin sind am stärksten betroffen.
  • Das kann bei Fohlen, laktierenden Stuten oder Sportpferden zu Proteinmangelerscheinungen führen, selbst wenn die Gesamtration ausreichend Eiweiß enthält.

(Quelle: Pisch C. et al., 2022 – „Effect of Hay Steaming on the Estimated Precaecal Digestibility of Crude Protein and Selected Amino Acids in Horses“, Animals 12(23))

Welche Eiweißquellen eignen sich für Pferde?

Grundsätzlich liefern Heu und Hafer ausreichend Eiweiß für den Erhaltungsbedarf. Bei höherem Bedarf oder verminderter Verwertbarkeit – z. B. durch bedampftes Heu – sind zusätzliche Proteinquellen sinnvoll.

Futtermittel Rohprotein (g/kg) Bemerkung
Sojaextraktionsschrot ca. 180 Sehr hoher Gehalt, gute Aminosäurenbalance
Leinsaat / Leinkuchen ca. 80–100 Reich an Omega-3-Fettsäuren, mittleres Profil
Luzerneheu / -pellets ca. 55 Gute Grundquelle, besonders calciumreich
Reisprotein ca. 60–70 Pflanzliche, hypoallergene Alternative, leicht verdaulich
Hafer ca. 47 Moderate Eiweißquelle, gut kombinierbar
Normales Heu ca. 37 Basisfutter, stark qualitätsabhängig


Reisprotein gewinnt als pflanzliche Alternative zunehmend an Bedeutung – es enthält ein breites Aminosäurespektrum mit hohem Anteil an Leucin, Arginin und Valin.

Da es hypoallergen und glutenfrei ist, eignet es sich besonders für empfindliche Pferde oder als Ergänzung in eiweißarmen Rationen.

Einzelfuttermittel vs. gezielte Aminosäurenpräparate

Futtermittel wie Sojaextraktionsschrot oder Leinkuchenpellets liefern hohe Eiweißmengen (30–40 % Rohprotein). Allerdings decken sie nicht immer das optimale Aminosäuremuster ab, das Pferde für Muskelaufbau benötigen.

Darauf weist Dr. Anne Mößeler (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover) hin:

„Einzelfuttermittel können Eiweiß liefern, aber sie bieten nicht immer das ‚passende’ Aminosäuremuster für das Pferd. Wer gezielt die Leistungsfähigkeit oder den Muskelaufbau fördern möchte, erreicht das mit einem Aminosäurenpräparat präziser und effizienter.“

In der Nutztierfütterung werden seit Jahren synthetische Aminosäuren eingesetzt. Diese sind nicht an Faserbestandteile gebunden, werden schneller absorbiert und sind im Dünndarm besser verfügbar.

Fazit: Für gezielten Muskelaufbau, Rehabilitation oder Leistungssteigerung sind Aminosäurenmischungen mit vollständigem Profil sinnvoller als reine Eiweißträger.

Eiweiß und Training: Hand in Hand

Selbst das beste Futter kann ohne Training keine Muskulatur aufbauen. Ein effektives Muskeltraining besteht aus Belastungs- und Regenerationsphasen:

  • Belastung: Reize setzen, die die Muskulatur fordern, ohne sie zu überlasten.
  • Regeneration: Durchblutung fördern, Zellreparatur aktivieren, Muskelwachstum ermöglichen.

Während der Ruhephasen nutzt der Körper Aminosäuren, um Muskelfasern zu reparieren und zu stärken. Fehlen diese Bausteine, bleibt der Trainingseffekt gering – selbst bei regelmäßigem Training.

Rassetypische Muskulatur

Pferde unterscheiden sich genetisch in ihrer Muskelfaserzusammensetzung:

  • Slow-twitch-Fasern (oxidativ): für Ausdauer, z. B. Araber, Distanzpferde
  • Fast-twitch-Fasern (glykolytisch): für kurze, explosive Bewegungen, z. B. Renn- oder Springpferde

Das Verhältnis beider Faserarten ist genetisch festgelegt, kann aber durch Training gezielt beeinflusst werden.

Fazit

Eine bedarfsgerechte Eiweiß- und Aminosäurenversorgung ist entscheidend für Wachstum, Leistungsfähigkeit und Regeneration.
Wichtige Punkte:

  • Qualität und Verfügbarkeit der Proteine sind entscheidend, nicht nur die Menge.
  • Bei bedampftem Heu auf Proteinverdaulichkeit achten.
  • Limitierende Aminosäuren (Lysin, Methionin, Threonin, Tryptophan) gezielt ergänzen.
  • Pflanzliche Alternativen wie Reisprotein können hochwertige, leicht verdauliche Ergänzungen darstellen.
  • Training ist der Schlüssel, um Eiweiß optimal in Muskulatur umzusetzen.

Eine bedarfsgerechte Eiweißversorgung beim Pferd hängt daher nicht nur von der Menge, sondern vor allem von der Qualität, biologischen Wertigkeit und dem Aminosäuremuster ab.


🧠 FAQ – Häufige Fragen zu Eiweiß und Aminosäuren beim Pferd

Wie viel Eiweiß braucht ein Pferd täglich?

Der Bedarf liegt bei 6–8 % Rohprotein in der Gesamtration für Freizeitpferde und bis zu 12–14 % für Zucht- und Sportpferde. Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität und die Zusammensetzung der enthaltenen Aminosäuren.

Welche Eiweißquellen sind für Pferde besonders hochwertig?

Hochwertige Quellen sind z. B. Sojaextraktionsschrot, Leinkuchen, Luzerne und Reisprotein sowie Sojaprotein. Entscheidend ist jedoch immer das Aminosäuremuster, nicht nur der Rohproteingehalt, sondern vor allem die biologische Wertigkeit des Eiweißes. 

Die biologische Wertigkeit beschreibt, wie effizient das Pferd das aufgenommene Eiweiß in körpereigene Proteine (z. B. Muskel- oder Bindegewebe) umwandeln kann. Je vollständiger das Aminosäuremuster eines Futtermittels ist, desto höher ist in der Regel die Verwertbarkeit im Organismus. Die biologische Wertigkeit von Eiweiß beim Pferd ist ein entscheidender Faktor für die Proteinverwertung im Stoffwechsel.

Welche Aminosäuren sind besonders wichtig?

Wichtige essentielle Aminosäuren sind Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan. Sie sind notwendig für Muskelaufbau, Gewebeaufbau und Stoffwechselprozesse. Zusätzlich unterstützen BCAA wie Leucin, Isoleucin und Valin die Regeneration. BCAA fördern zusätzlich den Muskelaufbau.

Warum kann bedampftes Heu Proteinmangel verursachen?

Durch die Bedampfung kann es laut Studien (Uni Halle 2022) zu einer reduzierten Verdaulichkeit von bis zu 50 % kommen. Grund ist die Maillard-Reaktion, bei der essentielle Aminosäuren gebunden werden und schlechter verfügbar sind.

Sind Sojaextraktionsschrot oder Leinkuchen als Eiweißquelle ausreichend?

Sie liefern viel Eiweiß, aber kein perfektes Aminosäurenmuster.
Für gezielten Muskelaufbau oder Rehabilitation sind Aminosäurenpräparate oder Mischfutter mit vollständigem Profil sinnvoller.

Welche Vorteile hat Reisprotein?

Reisprotein ist pflanzlich, hypoallergen, glutenfrei und gut verdaulich.
Es enthält ein breites Aminosäurespektrum mit hohem Anteil an Leucin, Arginin und Valin – ideal für empfindliche Pferde oder als Ergänzung zu bedampftem Heu.

Wie hängen Eiweißversorgung und Training zusammen?

Training setzt den Reiz für Muskelwachstum, Eiweiß liefert die Baustoffe.
Fehlen essentielle Aminosäuren, kann der Körper Trainingsreize nicht effektiv umsetzen.