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Warum Durchfall beim Pferd ernst zu nehmen ist

Durchfall gehört zu den häufigsten internistischen Notfällen beim Pferd. Bereits wenige Stunden mit massivem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust können zu Kreislaufproblemen, Schock und Organschäden führen. Besonders kritisch: Fohlen, ältere Pferde und Tiere mit Vorerkrankungen (z. B. Cushing, EMS).

Pathophysiologie in Kürze

  • Osmotische Diarrhö: zu viel Zucker/Stärke im Dickdarm, bindet Wasser (Futterfehler).
  • Sekretorische Diarrhö: Toxine oder Infektionen stimulieren die Darmschleimhaut → massive Flüssigkeitsabgabe in den Darm.
  • Entzündliche Diarrhö: Entzündung zerstört Schleimhaut, Exsudat tritt aus (Clostridien, Salmonellen, NSAID-Kolitis).
  • Malabsorptive Diarrhö: Schleimhaut kann Nährstoffe nicht aufnehmen (chronische Darmentzündungen).

Ursachen im Detail

1) Fütterung & Management

  • Plötzliche Umstellungen (Heu-/Wechsel, Anweiden)
  • Überversorgung mit Stärke/Zucker (Getreide, Müslis) → Überlastung von Dünndarm & Caecum
  • Verdorbenes, verschimmeltes Futter → Mykotoxine
  • Sandaufnahme (v. a. in Offenställen oder auf Paddocks)

2) Infektiöse Ursachen

  • Bakterien: Clostridium perfringens/difficile, Salmonella spp.
  • Parasiten: z. B. Strongyliden, Cyathostominen-Massenexkystation im Frühjahr
  • Viren: selten, v. a. bei Fohlen

3) Medikamente

  • Antibiotika → Dysbiose, Clostridienüberwuchs
  • NSAIDs (Phenylbutazon, Flunixin) → „Right dorsal colitis“ (geschädigte Schleimhaut, Proteinverlust)

4) Stress & Begleiterkrankungen

  • Transport, Stallwechsel, Herdenintegration
  • Endokrine Erkrankungen: EMS, Cushing (PPID)
  • Zahnerkrankungen → unzureichende Futterzerkleinerung

Abgrenzung: Kotwasser vs. Durchfall

  • Kotwasser: Dünnflüssigkeit wird zusätzlich zum Kot abgesetzt, Kot selbst geformt → häufig mit Heuqualität, Stress, Futterstruktur assoziiert.
  • Durchfall: gesamter Kot weich bis wässrig, teilweise unkontrollierbar → höheres Risiko, da massiver Wasser- und Elektrolytverlust.

Diagnostik durch den Tierarzt

Ein strukturierter Ansatz spart Zeit und erhöht die Erfolgsrate:

  • Anamnese: Fütterung, Medikamente, Umstellungen, Stallhygiene, Reisetätigkeit.
  • Körperliche Untersuchung: Vitalparameter, Hydrationsstatus, Darmgeräusche, Abtasten (rektal).
  • Kotuntersuchung: Parasitologie, Bakterienkultur, PCR, Toxin-Nachweis (Clostridien).
  • Blutuntersuchung: Elektrolyte, Entzündungswerte, Eiweißverlust.
  • Bildgebung: Ultraschall bei Verdacht auf Kolitis, Darmverdickungen.

Erste Hilfe – was man sofort tun kann

  1. Frisches Wasser und Elektrolyte anbieten: Pferd trinkt oft nicht genug, Elektrolytverluste müssen ausgeglichen werden.
  2. Fütterung stabilisieren: nur gutes Heu, keine Getreide-/Müsli-/Obstgaben.
  3. Toxinbinder: (z. B. Bentonit, Smektit) nach Absprache einsetzen.
  4. Probiotika & Hefen: (Saccharomyces cerevisiae) zur Stabilisierung der Dickdarmflora.
  5. Flohsamen: bei Sandaufnahmeverdacht.
  6. Bewegung einschränken, Stress reduzieren.

Therapie – Tierärztlich begleitet

  • Infusionen: Ringer-Lösung, ggf. Glucose zur Stabilisierung
  • Antibiotika: nur bei gesicherter Indikation (z. B. Salmonellose + Sepsis)
  • Entzündungshemmer: sehr vorsichtig einsetzen (Gefahr NSAID-Kolitis)
  • Probiotika, Hefen, Präbiotika: als Regenerationstherapie
  • Diätetische Unterstützung: Leinsamen, Pektine, Heucobs

Fütterung & Prävention

  • Heuqualität sichern: mykotoxinfrei, strukturreich
  • Langsame Futterumstellungen: 7–14 Tage
  • Ausreichend Raufutter: mind. 1,5–2 % KGW
  • Futterhygiene: kein schimmliges Brot, keine Silage
  • Regelmäßige Zahnkontrolle & Wurmkuren
  • Sandmanagement: Fütterung vom Boden vermeiden, Sandplätze absperren, Flohsamen-Kuren bei Bedarf

Fazit

Durchfall beim Pferd ist ein ernstes klinisches Symptom, keine eigenständige Krankheit. Die Hauptpriorität ist immer: Flüssigkeit & Elektrolyte sichern, Tierarzt einschalten, Ursachen identifizieren. Viele Fälle lassen sich durch gutes Fütterungs- und Haltungsmanagement vermeiden, doch infektiöse oder medikamentöse Ursachen erfordern eine gezielte, tierärztlich begleitete Behandlung.

Mit Probiotika, hochwertigen Heuqualitäten und vorsichtigen Umstellungen lässt sich die Darmgesundheit langfristig stabilisieren.

FAQ

Wie schnell muss ich reagieren?
Bereits nach 12–24 Stunden kann ein erwachsenes Pferd durch Flüssigkeitsverlust in Lebensgefahr geraten.

Kann man Durchfall beim Pferd „selbst behandeln“?
Nur milde Fälle. Bei Fieber, Apathie, Koliksymptomen oder länger als 3 Tage muss sofort ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Hilft Heilerde oder Bentonit?
Ja, beide können Toxine binden – aber nur unterstützend, keine alleinige Therapie.

Was ist gefährlicher: Kotwasser oder Durchfall?
Kotwasser ist meist ein Managementproblem. Durchfall bedeutet eine massive Störung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts und ist deutlich gefährlicher.

Quellen (Auswahl)

  • Merck Veterinary Manual – Diarrhea in Adult Horses
  • Hepworth-Warren K. (2019): Diagnostic approach to acute diarrhea in horses
  • VetFolio: Treating Acute Colitis in Horses
  • Weese J.S. (2024): Free Fecal Liquid in Horses – Scientific Reports
  • Desrochers A., Jouany J.P., Lattimer J.: Studien zur Wirkung von Probiotika (S. cerevisiae)