Headshaking beim Pferd – Ursachen, Diagnose und moderne Therapieansätze der TiHo Hannover
Was ist Headshaking beim Pferd?
Das Headshaking-Syndrom beim Pferd beschreibt ein neurologisch bedingtes Verhalten, bei dem das Pferd unkontrolliert mit dem Kopf schlägt – vertikal, horizontal oder rotierend. Diese Bewegungen treten ohne äußeren Auslöser auf und sind häufig mit Schnauben, Nasereiben oder Lichtempfindlichkeit verbunden.Symptome von Headshaking beim Pferd
Typische Symptome sind:
- plötzliches Kopfschlagen
- heftiges Nicken oder Schütteln
- Reiben der Nase an Beinen oder Gegenständen
- Schnauben ohne erkennbaren Grund
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
- Überreaktion auf Wind oder Insekten
- Leistungsprobleme unter dem Reiter
Trigeminus-vermitteltes Headshaking (ITMHS)
Die häufigste Form ist das idiopathische trigeminusvermittelte Headshaking (ITMHS).Aktuelle Untersuchungen der TiHo Hannover zeigen, dass in der Mehrzahl der Fälle eine Überempfindlichkeit des Nervus trigeminus (5. Hirnnerv) vorliegt.
👉 Diese Form ähnelt in ihrer Schmerzcharakteristik der Trigeminusneuralgie beim Menschen (Roberts, 2019).
Ursachen von Headshaking beim Pferd
Laut TiHo Hannover liegt in ca. 94 % der Fälle eine neurologische Ursache vor. - Zahnprobleme oder Kiefergelenkserkrankungen
- Entzündungen der Nasennebenhöhlen
- Augen- oder Ohrenprobleme
- Licht- und Windempfindlichkeit
- Muskel- und Haltungsprobleme
Moderne Diagnostik an der TiHo Hannover
Um Headshaking korrekt zu diagnostizieren, setzt die TiHo Hannover auf ein umfassendes Untersuchungskonzept:
- Tägliche Symptombeobachtung unter Belastung und in Ruhe
- Neurologische & ophthalmologische Untersuchung
- CT- und MRT-Aufnahmen des Kopfes
- Liquorpunktion zur Analyse von Nervenflüssigkeit
- Bei Verdacht auf andere Ursachen: gezielte Zusatzdiagnostik (z. B. Endoskopie oder Maulhöhlenanalyse)
Ziel der Studie ist es, die Pathogenese besser zu verstehen und langfristig neue Therapieansätze zu entwickeln (Kloock et al., 2021).
⚡ Moderne Therapie: PENS gegen Headshaking
Die PENS-Therapie (Perkutane Elektrische Nervenstimulation) ist ein moderner Behandlungsansatz.Weitere Therapieansätze
- SIS-Therapie (Supraorbital Implant Stimulation)
- Akupunktur
- Zahnkorrekturen
- Umweltanpassung (Licht, Wind, Insekten)
- Nasennetze zur Reizreduktion
Eine mehrjährige Praxisstudie (2000–2007) mit über 90 Pferden zeigte: Auch Akupunktur – kombiniert mit professioneller Zahnbehandlung – kann deutliche Verbesserungen bewirken.
Von 21 optimal behandelten Pferden waren über 50 % symptomfrei, während die übrigen signifikante Verbesserungen zeigten.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Headshaking multifaktoriell ist – und eine ganzheitliche Behandlung (neurologisch, dental, energetisch) oft am effektivsten ist.
Prognose bei Headshaking
Die Prognose hängt von der Ursache und der Reaktion auf die Therapie ab. Viele Pferde können mit PENS, angepasster Haltung und regelmäßiger Kontrolle wieder beschwerdefrei leben.
Wichtig ist eine engmaschige tierärztliche Betreuung und die regelmäßige Selbstbeobachtung durch den Besitzer – etwa über ein Symptomtagebuch.
Fazit
Headshaking beim Pferd ist kein Verhaltensproblem, sondern ein komplexes neurologisches Schmerzsyndrom.Quellen
- Roberts, V. (2019): Trigeminal-mediated headshaking in horses: prevalence, impact, and management strategies. Veterinary Medicine: Research and Reports, 10, 1–8.
- Kloock, T., Niebuhr, T., & Feige, K. (2021): Trigeminusmediiertes Headshaking – Von der Diagnostik bis zur Therapie. Pferde Spiegel, 24(02), 52–57.
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Pferde – Forschungsprojekt Headshaking.